Verfasst von: baffyscorpion | 2. Dezember 2010

Textilindustrie Ausbeutung

Ausbeutung der Textilindustrie von billigen Arbeitskräften

Gestern abend war ich geschockt, als ich einen Bericht bei “Markus Lanz” im ZDF sah. Neben Themen wie Aids und dem neuen Buch von Fabian Hambüchen wurde ausgiebig über die Ausbeutung der Textilindustrie billiger Arbeitskräfte berichtet.

Es ging sich um Näherinnen in Bangladesh, speziell in Bezug auf den deutschen Textildiscounter KIK. Eingeladen ins TV Studio waren ein Journalist, der mit Kamera die Missstände in Bangladesh vor Ort zeigte, hungernde Kinder, unwürdige Behausungen und die Arbeit in einer Nähfabrik für westliche Discounterware.

Das Elend in den Slums war erdrückend. Zudem war ein Fachmann für Bangladesh, der über ein großes Insiderwissen verfügte in der Sendung. Dass die deutsche Textilindustrie sich dieser billigen Arbeitskräfte bedient, ist nichts Neues und ich bin auch für einen Boykott dieser Firmen, insbesondere Billiganbietern wie KIK.

In dem Bericht wurde auch sehr ausführlich erörtert für welchen Hungerlohn die Näherinnen 9 Stunden ohne Pause täglich arbeiten, nämlich für sage und schreibe 35 Euro umgerechnet im Monat. Die Miete für eine unwürdige Behausung allerdings kostet schon 30 Euro.

TV Einschaltquotengier und skrupellos

Worauf es mir aber in meinem Bericht hier ankommt erfahren Sie jetzt. Nicht genug, der westlichen Welt, die in Wohlstand lebt, diese Armut vor Augen zu führen, setzen die Fernsehanstalten noch einen drauf. Ich dachte bis dato, dies sei nur den Privatsendern vorbehalten.

Die “Öffentlich Rechtlichen” scheinen da nicht anders zu ticken. Aus Gier nach Einschaltquoten gehen sie über Leichen. Warum belässt man es nicht bei der filmischen Dokumentation, die erschütternd genug ist? Nein, man fliegt auch noch eine junge Arbeiterin, eine Näherin aus Bangladesh ein, um mittels Simultanübersetzer in 4 Sätzen noch einmal zu bestätigen, für wie wenig Geld die Mädchen dort arbeiten müssen.

Ihr Traum war es, von diesem kleinen Entgelt auch noch zu sparen, um sich und den Eltern eine vernünftige Bleibe zu schaffen. Muss man einem solchen Mädchen den Wohlstand im Westen für ein paar Stunden, vielleicht 2 Tagen zeigen, die sie ohne die “Macher” vom TV vielleicht nie kennengelernt hätte, damit sie zu Hause noch trauriger ist?

Aber nun kommt es: Markus Lanz bedankt sich bei allen Studiogästen für ihr Erscheinen, insbesondere für den Mut dieser Näherin, im deutschen Fernsehen Stellung zu nehmen. Auf die Frage, welche Perspektive sie denn nun nach der Sendung in Bangladesh hätte, antwortete man: “Da wird sie wohl raus sein”.

Wie skrupellos muss ein TV Sender sein, aus Sensationslust einen solchen Menschen in die Sendung einzuladen, wohlweisslich, dass sie in ihrer Heimat enorme Schwierigkeiten bekommt,  ja eventuell auch noch Todesängste haben muss.

Ich hätte mich nicht gewundert, wenn beim Anblick in die traurigen Augen der jungen Näherin in Großaufnahme auch noch Musik von Sergio Leone aus dem gleichnamigen Film “Spiel mir das Lied vom Tod eingespielt” worden wäre, oder der Untertitel: Demnächst im Kino: “Stirb langsam Teil 5″.

Ich sage an dieser Stelle nur: “Schämt Euch”! Ich habe diesbezüglich unmittelbar nach der Sendung an Markus Lanz eine Email gesendet. Auf eine Antwort werde ich wohl vergeblich warten! In unterem Video sehen Sie noch einmal die Armut der ausgebeuteten Menschen in Bangladesh.

Liebes Fernsehen, vielleicht einfach mal Gehirn einschalten! Frohe Weihnachten
 

Hallo Markus. Ich habe mit großem Interesse deine Sendung am 01.Dezember verfolgt und war erschüttert über die Machenschaften in diesem Land und der deutschen Textilindustrie. Ich werde auch diesbezüglich einen Bericht schreiben. Eins möchte ich jedoch von dir wissen. Ich habe auch schon diverse TV Sender wegen ihren Machenschaften hart ins Visir genommen. Wie du schon richtig in der Sendung erörtert hast, wird die Näherin, die bei dir zu Gast war sehr wahrscheinlich ihren Job verlieren, wenn nicht sogar der Todesgefahr ausgesetzt sein. Warum gebt ihr Journalisten Euch nicht mit der Recherche der Reporter zufrieden. Warum müsst ihr aus Quotengier solche Menschen zu Euch in die Sendung holen und diesen sich einer Gefahr aussetzen lassen. Ich würde mich auf eine ehrliche Antwort freuen.


Antworten

  1. Hallo zusammen,

    es sind evtl. Verträge, die Herrn Lanz zum Schweigen bringen (Email-> Antwort) und ihn vor die Kamera zwingen, derlei Sendungen zu moderieren.

    Ansonsten ändert sich lediglich die (Uhr-)Zeit in Sachen NEIN-SAGER.

    froher Advent
    Lutz

  2. Hallo Dirk,

    da wirst du sicher lange warten, für solche Moderatoren ist dies lediglich ein Job, je spektakulärer die Berichterstattung je mehr Quote, umso besser die Nachfrage im Sender für andere lukrative, kommende Projekte.
    Ist genauso wie früher im Pressewald, wer zuerst die meißten Leser hat, hat auch die meißten Blätter verkauft, so einfach ist dies im Grunde.

  3. Lieber Dirk,

    ich würde Dir zustimmen, dass auch für die öffentlich-rechtlichen Sender gilt, dass eine schlechte Nachricht eine gute Nachricht ist. So funktioniert die Medienlandschaft und man könnte vielleicht debattieren, wo zur Veränderung besser anzusetzen ist: bei der Erwartung und Sehgewohnheit der Zuschauer oder dem Angebot der Sendeanstalten. Ich stimme Dir auch zu, wenn Du in Zweifel stellst, ob die wenigen Sätze von Jessmin Begm in der Sendung wirklich was gebracht haben. Man hätte sie mehr reden lassen sollen.

    Was die Sendung von Markus Lanz angeht, so möchte ich jedoch was berichtigen. Die Kampagne für Saubere Kleidung, für die ich mich auch engagiere, hat vor kurzem eine Veranstaltungs-Rundreise durch Deutschland mit zwei Näherinnen, einem Wissenschaftler (alle aus Bangladesch) und einer Arbeitsrechtlerin aus Indonesien organisiert (siehe unsere Webseite). Wir wollten, dass die Betroffenen selbst über die Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie berichten. Christoph Lütgert (ehemals Panorama-Chefredakteur) hat dann dafür gesorgt, dass die Gäste im Zuge ihrer Rundreise einen möglichst prominenten Auftritt im Fernsehen bekommen.

    Natürlich sind Vorbereitungen getroffen worden, dass das Risiko für die Gäste nach ihrer Rückkehr nicht zu groß ist. Außerdem sind die Näherinnen in einer Gewerkschaft organisiert und wurden von dieser als Sprecherinnen für die Rundreise ausgewählt. Im Gegensatz zu der Behauptung von Lütgert in der Sendung gibt es durchaus auch Ansätze funktionierender gewerkschaftlicher Strukturen in Bangladesch. Ob Jessmin Begum wieder eine Arbeit gefunden hat, ist mir allerdings noch nicht bekannt. Fazit: Es stimmt, dass ein Engagement in Bangladesch einem die Freiheit kosten kann, aber die Näherinnen sind nicht vollkommen schutzlos. Seinen Job könnte man in Deutschland ja übrigens auch für so ein Engagement gefährden, mutig ist das auf jeden Fall!

    Mit freundlichen Grüßen,

    Christopher Schmidt


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