Verfasst von: impuls2008 | 9. September 2009

Piraten denken gelegentlich, aber leider nicht genug…

piratenJa, ja,

manchmal drohen bestimmte Wunsch- Bäume geradezu in den Himmel zu wachsen? Gerade lesen wir überall in den Medien, dass der abgestandene, weit über dem Verfallsdatum befindliche  schwarz- gelbe Einheits- und Einschlafbrei drastisch an Boden in den Umfragen zur Bundestagswahl 2009 verliert, schon kommen die nächsten Medien- Klöpse daher gesegelt…

Da steht doch tatsächlich, dass wir mal selbst „denken“ sollen? Also ich mach dies jetzt einfach mal (ausnahmsweise) und wirklich nur zu Abwechslung:  ;-)

Eben habe ich einen interessanten Artikel zur anstehenden Bundestagswahl 2009 auf der PC- Welt gelesen, danach hat die Piratenpartei 10% innerhalb der Google- Zugriffsstatistiken zu themenrelevanten Netz- Info- Angeboten…genau solche (etwas abwegigen) Analysen regen mich tatsächlich nachhaltig zum DENKEN an!

Liebe Leute,

Online- Zugriffe auf ein mit der Wahl zusammen hängendes Informationsangebot haben aber nun einmal nur ganz, ganz wenig mit einer realistischen Einschätzung von Wahlergebnissen zu unterschiedlichen Parteien zu tun, gottlob!

Mich wundert es jedenfalls eher wenig, dass die Anhänger der Piratenpartei im Netz aktiv sind, denn von genau dort her stammt deren einzige Wurzel. Wo sollten die denn wohl sonst noch zu finden sein?

Können die überhaupt Sonne und Sauerstoff – wohl eher ungewohnterweise sogar in hoher Konzentration & Kombination vertragen?

Das Netz ist eine Sache, das reale Leben erfordert aber andere, sehr viel wichtigere und existenziell- gesellschaftspolitische Programm- Inhalte.

Man sollte sich daher einmal deren Parteiprogramm etwas genauer durchlesen bevor man den Wolf  im Schafspelz wählt.

An dem Tag an dem man sein persönliches Abstimmungsverhalten zu einer Bundestagswahl nach internet- affinen NETZ- Beweggründen bestimmt, sollte man wohl doch besser damit beginnen sich ein paar Gedanken zu seinen damit sehr offensichtlich gewordenen Realitätsverlusten zu machen…!?

Sollte man wirklich die Bundestagspolitik, und damit das oberste Entscheidungspodium zu allen für unsere Gesellschaft wichtigen Grundsatzregeln, inkl. Gesetzgebung usw. mit „Netzbedürfnissen“ verbinden, bzw. diese, diesen insgesamt überordnen?

Von welchem Planeten stammt denn solche eine Grundüberlegung?

Manchmal frage ich mich wirklich wohin uns das Internet noch führen wird, wenn (scheinbar) erwachsene Menschen damit beginnen das Netz als Maßstab für ganz andere, sehr viel wichtigere gesellschaftpolitische Bedürfnisse zu begreifen?

HAAALLLLOOOOOOOO, schon vergessen? … man kann auch Netz- und Reallife nach ihren jeweiligen Prioritäten trennen!

Ich möchte jedenfalls keine blassen Jünglinge, denen die Bodenhaftung zum realen Leben etwas fern geworden zu sein scheint, als „Abgeordnete“ des Volkes im Bundestag sitzen sehen. Dabei sehe ich jeden einzelnen solcherart strapazierten Stuhl schlichtweg als umfassend fehlbesetzt an.

Wie gut, dass es sehr unwahrscheinlich ist und bleibt, alsdass es tatsächlich jemals dazu kommen könnte.

Kommentar:

Mir stinkt es jedenfalls gewaltig, wenn öffenbar völlig lebensunerfahrene Menschen, ganz offensichtlich, nur sehr einseitig in eine einzige Richtung zu denken in der Lage sind und damit das halbe Internet unbedarft zukleistern. Politik, und weit vorweg unser Berliner Parlament haben mit dem Internet lediglich am Rande zu tun, dort gibt es wahlich sehr viel Wichtigeres für unsere Gesellschaft zu tun!

So ihr lieben Piraten, ich habe für heute fertig mit selber DENKEN!


Antworten

  1. 1. Kennst du einen einzigen dieser „blassen Jünglinge“?
    2. Arbeiten im Bundestag nicht mehrere Parteien zusammen?
    3. Welche Partei, abgesehen von diesen völlig lebensunerfahrenen Menschen ist heute basisdemokratisch (auch in der eigenen Partei)?

    Natürlich, im Wahlprogramm der Piraten fehlt einiges. Sollten sie mit ihrem aktuellen Programm Deutschland alleine regieren, gäbe es Probleme, die nicht von der Hand zu weisen sind. Aber steht das überhaupt zur Debatte? Ich halte es für konsequent und ehrlich, dass die Partei bei ihrem Kernthema bleibt und sich nicht in föllig fremdes Terrain vorwagt, mal ganz im Gegensatz zu diversen anderen Parteien (jetzt mal speziell das Thema Internet und neue Medien betreffend). Das Wahlprogramm besteht durchaus aus mehr Punkten, als dem Kampf gegen die Internetzensur.
    Und dagegen helfen auch keine unterschwelligen Kategorisierungen in die Nerd- und WOW-Suchti-Schubladen…

    Was die triumphierenden Web-Statistiker angeht muss (will) ich dir durchaus Recht geben. Eine Partei, deren Hauptanhängerschaft sich aus Bloggern, Admins und Internetsurfern zusammensetzt, ist natürlich in den Statistiken im Netz oben. Wirklich repräsentativ können nur die Studien sein, die die Menschen in ihrem Hauptlebensraum, dem Real-Life, als Quelle haben.

    Grüße,
    wemaflo

  2. Hallo Flo,
    sag ich doch!

    Genau dies ist aber doch der Punkt:
    Ich kann doch nicht zur Bundestagswahl gehen und dort lediglich einen Teilbereich der für unsere Gesellschaft wichtigen Politik wählen wollen?

    Ich habe jedenfalls vor dort der (hoffentlich) nächsten Regierungtspartei meine Stimme zu geben!

    Das Netz regelt sich weitestgehend von selbst, dort wo die Politik mangels geeigneten Background mitwirkt setze ich auf spätere Nachbesserungen auf dem Rechtswege, dies ist in vielen Bereichen auch nicht anders möglich.

    Was die basisdemokratischen Qualitäten von Bundestags- Parteien angeht gibt es eine Menge gegensätzlicher Meinungen dazu, dazu möchte ich mich lieber nicht weiter äussern.

    Wie „demokratisch“ sinnvoll kann es aber sein eine Partei zu wählen, die keinerlei Chance hat in die Regierungsverantwortung zu gelangen, andererseits aber innerhalb ihres Parteiprogramms zur Beugung des bestehenden Urheberrechts aufruft?

    Ein Künstler vertritt zu solchen Vorhaben sicher eine ganz andere Haltung.

    Wer zum Denken aufruft, sollte sich hinterher bitte nicht darüber wundern wenn genau dies auch passiert.

    • Die Regierungsbildung ist nur eine Aufgabe des Deutschen Bundestages. Natürlich ist diese wichtig, aber der Mensch hat zwei Stimmen.

      Ein weiterer wichtiger Aufgabenbereich ist die Gesetzgebung. Ein Gesetzentwurf beispielsweise kann mit der Unterstützung von 5% der Parlamentarier aufgeworfen werden. Und selbst, wenn sich sämtliche anderen Parteien quer stellen, einen Denkprozess regt das an.

      Fast noch wichtiger ist die Kontrolle der Exekutive. Und hier wirkt wie immer jeder mit. Die Regierung kann befragt werden, Untersuchungsausschüsse müssen gebildet werden und so weiter und so fort. Und selbst wenn eine kleine Partei im Bundestag direkt nichts ausrichten kann, andere Politiker aufklären, korrigieren und überzeugen und Vorschläge in Diskussionen einbringen kann sie allemal.

      Mit der Wahl zum Deutschen Bundestag wählt man weitaus mehr, als nur die (möglicherweise) zukünftige Regierung.

  3. So werden die menschen immer mehr durch Suchergebnisse im Internet manipuliert. Wenn man sich nun mit Suchmaschinenoptimierung auskennt, schafft man es auch mit diversen Keywords unter die TOP 10. Ich ranke z:B. mit all meinen wichtigen Suchbegriffen als Musiker sehr gut. Vielleicht sollte ich einmal einen Artikel auf meiner Webseite über die Bundestagswahl 2009 schreiben. So nach dem Motto: Baffy Scorpion, der Musiker aus Aachen nimmt in diesem Jahr an der Bundestagswahl 2009 teil. Im Klartext würde dies nichts anderes bedeuten, als dass ich wählen gehe.
    Optimiere ich nun dies keyword „Bundestagswahl 2009″, so könnte es durchaus passieren, dass dieser Artikel TOP 10 gesetzt wird. Aber das lasse ich dann lieber doch, sonst könnte es evtl. Verwechslungen geben, und ich ginge letztendlich aus der Sache als Bundeskanzler aus. Wäre ja möglich, tauche ich doch unter „Bundestagswahl 2009″ ganz Vorne auf!!!

  4. Hallo Dirk,

    lass es lieber, an dem „Ball“ ist Horst Schlemmer aus Grevenbroich schon daran! ;-)

  5. Mit diesem Artikel sprichst Du mir von der Seele. Sehr schön.

    Ich kann doch nicht zur Bundestagswahl gehen und dort lediglich einen Teilbereich der für unsere Gesellschaft wichtigen Politik wählen wollen?

    Genau so sehe ich das auch. Aberr gottseidank gibt es auch Alternativen, die in diesem Teilbereich eine ähnliche Politik angehen und zudem auch zu anderen teilbereichen viel zu sagen haben. Die Rede ist von den Grünen ;-)

    • Hi Perzelwupp,

      dürfte ich 2 Stimmen für die ERST & Zweitstimme abgeben, wären die Grünen garantiert mit vorn dabei ;-)

      Joschka, Roth und Trettin waren schon immer gut für eine ökologisch sinnvolle und nah am Bürger orientierte Politik.

      Mein Herz schlägst aber unverkennbar für Oskar, damals zu Zeiten innerhalb der SPD – die ich nun seit über 30 Jahren gewählt habe, heute aber gern auch mal noch etwas weiter links und noch tiefer Rot, weil genau in diesem Ansatz und der damit verbundenen Politik meiner Ansicht nach die primären Bedürfnisse unserer Gesellschaft am ehesten repräsentiert werden. Ich hoffe Rot & Rot schaffen es zusammen mit den Grünen gegen Scharz- Gelb. So viel zu meiner persönlichen Orientierung und politischen Hoffnungen für die anstehenden Wahlen.

      @ Flo,

      ich verstehe Deinen Ansatz sehr gut, dazu muss man gar nicht grundsätzlich anderer Ansicht sein, aber was hat dies mit unserer derzeitigen Parteienlandschaft und deren realen Aussicht zu einer Regierungsverantwortung zu tun?

      Klartext: Wählst Du die Piraten gliederst du deine Stimme in die unter 3%- Riege – also nicht einmal innerhalb der politisch unbedeutenden Hinterbänkler im Bundetag ein, bestenfalls!

      Und wer regiert in Zukunft unser Land?

      Etwa weiterhin ein Mensch den nie wirklich jemand als Kanzler wollte, der es jedoch nur deswegen wurde, weil die Schwarzen keine Politikverdrossenheit kennen und schon mit dem Morgengebet die Wahlpflicht von der kirchlichen Kanzel aus aufsaugen – oder noch schlimmer – weil wirtschaftspolitische UND parteipolitische Überlegungen weit im Vordergrund des eigenen politischen Denkens stehen – und mir daher zig Millionen Erwerbslose schlichtweg egal sind, Hauptsache mir selbst geht es möglichst gut?

      Gibt es etwas unsozialeres als die Politik der letzten 4- 8 Jahre (ich zähle auch die Vor-Merkel-Zeit bewusst hinzu) gilt es nicht primär (so schnell wie möglich) in diesen Bereichen für schnelle Änderungen zu sorgen? Die gute Dame schaffte es gerade soeben diese gesellschaftskritische Politik von Schröder (schlecht umgesetzt) fortzuführen, nichts weiter. Nicht einen einzigen eigenen politisch relevanten Impuls konnte ich von dort in den letzten 4 Jahren beobachten. Eine einzige, nichtssagende und nichtsnutzige politische Seifenblase a`la CDU, war von dort praktiziert worden, vielen Dank dafür! Herbert Wehner nannte diese Partei schon vor 40 Jahren eine politische Laienspielschar, daran hat sich bis heute absolut nichts geändert.

      Ich möchte als Bürger gern mitbestimmen können was künftig in unserem Land sein oder hoffentlich nicht mehr sein soll!
      Wenn ich meinen Fokus allein auf das Internet und dessen Bedürfnisse lege, habe ich eindeutig die Chance verpasst an den tatsächlich sehr viel wichtigeren Veränderungen für unser Land mitgewirkt zu haben.

      Ich sehe in dieser Wahl nicht nur mein Recht, sondern auch die Pflicht mich im Sinne des Gemeinwohls & des Gemeinnutzens daran zu beteiligen.

      Ich denke, dass wir alle gemeinsam die Pflicht haben in diese Primär- Richtungen die Politik mit zu bestimmen und endlich etwas dafür zu tun.

      Eine Stimme für die Piraten (für mich nur eine fast unwichtige Internetbewegung) ist aus meiner Sicht komplett vorbei an den sehr viel wichtigeren politischen Aufgaben und Bedürfnissen der Menschen in unserem Lande, die in den nächsten vier Jahren hoffentlich etwas näher am Bürger sein werden.

      An mir wird es gewiss nicht gelegen haben, wenn engagierte junge Leute das Internet für primär wichtiger halten als die sozialpolitisch intakten Wirtschaftsstrukturen innerhalb unseres Landes.

      Ich beteilige mich auch seit über 30 Jahren nicht daran, dass Reiche immer reicher, Gewerkschaften immer schwächer und Bankkonten immer mehr die Macht in unserem Lande repräsentieren.

      Auch ich bin für Veränderung und vor Allem auch für Erneuerungen, genau dort, wo diese sinnvoll und noch dringender notwendig sind.

      Und zuletzt:

      Mit tut es um jede Stimme aufrichtig leid, die leider an den wichtigen politischen Aufgaben unseres Landes (am nächsten Sonntag) vorbei – schlichtweg voll in den Sand gesetzt wird, nur weil man sich mit grosser, aber leider nutzloser Energie einem Teilbereich widmet, der eigentlich mit den dringendsten Entscheidungen für unsere Gesellschaft (fast) nichts zu tun haben.

  6. Hallo zusammen,

    „Denk! Selbst!“ ist als Parole völlig daneben. Warum?

    Weil man hiermit die Gesamtheit der Politik im Sinne einer parlamentarischen Vertretung infrage stellt. Dächte jeder tatsächlich selbst, trügen einige wieder einen Colt an der Hüfte.

    Wer will das?!

    lG
    Lutz


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