Eigentlich war auch dies einer der ursprünglichen Gedanken wozu Blogs entstanden sind. Neben dem Ansinnen den eigenen Gedanken einen festen Halt geben zu wollen, zu allem nur möglichen etwas anzumerken, es zu transportieren, breiter zu diskutieren, aber auch inhaltlich zu polarisieren, entstanden Blogs. Dies nicht etwa, um ein weiteres Bild einer in weiten Teilen (unserer) intellektuell völlig abgestumpften, konsumorientierten Gesellschaft in diesen Tage zu bieten…
Man hat etwas mitzuteilen, inhaltlich sicher nicht immer sonderlich philosophisch, aber hoffentlich umfassend lesenswert. Der Anspruch an einen Artikel innerhalb von Blogs ist gottlob nicht genormt, daher kann es manchmal geradezu spannend sein, was manch anderer Blogger so in seiner Kammer oder sonstwo gerade fabriziert hat.
Ich bin immer auf der Suche nach Blogs, die sich von der Thematik, von den Inhalten und/oder dem dort praktizierten Schreibstil etwas fort bewegen von dem, was wir dutzendfach und alltäglich in unzähligen WordPress- Installationen finden.
Philosophie muss es nicht unbedingt sein, die mich fesselt…
Von dem schlechterdings notwendigen Dasein:
„Schlechterdings notwendig ist, dessen Gegenteil an sich selbst unmöglich ist….
Waohw, da fliegt einem doch glatt das Blech (oder das Brett vorm Kopf) weg, oder? Wer wäre heute noch in der Lage nur einen einzigen solchen Satz zu formulieren? Aber Vorsicht, jetzt wird erst richtig, doppelt und dreifach nachgelegt…
„Dieses ist eine ungezweifelt richtige Nominal-Erklärung. Wenn ich aber frage: worauf kommt es denn an, damit das Nichtsein eines Dinges schlechterdings unmöglich sei? so ist das, was ich suche, die Realerklärung, die uns allein zu unserm Zwecke etwas nutzen kann.“
Anmerkung: Hier soll tatsächlich die „Realerklärung des Nichtseins“ etwas nutzen? Hää??…
„Alle unsere Begriffe von der inneren Notwendigkeit, in den Eigenschaften möglicher Dinge, von welcher Art sie auch sein mögen, laufen darauf hinaus, daß das Gegenteil sich selber widerspricht. Allein wenn es auf eine schlechterdings notwendige Existenz ankommt, so würde man mit schlechtem Erfolg, durch das nämliche Merkmal, bei ihr etwas zu verstehen suchen. Das Dasein ist gar kein Prädikat, und die Aufhebung des Daseins keine Verneinung eines Prädikats, wodurch etwas in einem Dinge sollte aufgehoben werden, und ein innerer Widerspruch entstehen können. Die Aufhebung eines existierenden Dinges ist eine völlige Verneinung alle desjenigen, was schlechthin oder absolute durch sein Dasein gesetzt würde.“
Na, ausser „Bahnhof“ etwas zwischen den Zeilen verstanden? Wirklich „bemerkt“ worum es innerhalb dieses Textes „inhaltlich“ geht? Ist dies Kunst oder lediglich Ausdruck einer waschechten Depression?
Tatsächlich handelt es sich oben um einen Auszug aus den Werken von keinem Geringeren als Immanuel Kant. Dieser Absatz steht dort übrigens unter der Überschrift:
„Begriff der absolut notwendigen Existenz überhaupt…“
…und ist damit also ein Zitat aus dessen Schaffen, so wie der komplette obere Absatz. Mir ist dies ehrlich gesagt etwas zu viel, zu tiefgründige Philosophie, sehr schwer im Magen liegende „Lesenskost“ sozusagen, da gefällt mir die heutige Sprache wesentlich besser.
Auf heutigen Blogs findet sich solche tiefsinnigen Gedankenspiele wohl eher nicht, und dass ist auch gut so, heute gibt es andere Möglichkeiten einen Leser zu interessieren, es muss ja nicht immer ein möglichst albernes YouTube- Video sein.
Was mir gerade, als ich mit den Hunden kurz draussen war noch so durch den Kopf schoss:
Wissen, Schöngeistigkeiten, Prosa, Kunst, Philosopie, ja, Bildung schlechthin war zu dieser Zeit ein Privileg der Adeligen, bestenfalls der sogenannten, „besseren“ Gesellschaft innerhalb des Bürgertums. Arbeiter und Bauern hatten gewiß ganz andere Sorgen als auch nur einen einzigen Gedanken an die „Verneinung eines Prädikates“ zu verschwenden, sofern ihnen diese Begriffe überhaupt etwas sagten.
So ist meiner Ansicht nach auch ein beachtlicher Teil unseres Weltkulturerbes letztlich lediglich Ausdruck einer gewissen, durch Dekadenz und Langeweile geprägtes Resultat von Menschen, die in vergangenen Zeiten TATSÄCHLICH nichts anderes zu tun hatten, weil andere diese peripheren Belange rund um das leibliche Wohl für diese erledigten…
Um auf die Überschrift zurück zu kommen, von der ich ganz bewusst einen kleinen Abstecher in die Tage unserer Dichter und Denker machte, stelle ich zusätzlich fest, dass es neben dem Berichten über eigene Gedanken, irgendwelchen Befindlichkeiten und vermeindlichen News zu irgendeinem Thema, bei vielen Bloggern schon immer auch gängige Praxis war über Inhalte anderer Blogs zu berichten. Sei es um das Thema ob seiner Wichtigkeit nochmals aufzugreifen, eine anders gelagerte Perspektive zu beschreiben, oder schlichtweg dortige Inhalte zu berichtigen. Das Schauen über den eigenen Tellerrand ist nicht nur spannend, es belebt und regt auch den eigenen Horizont zu mehr und besserer Leistung an, zumindest ist dies einer der Gründe, warum ich deutlich mehr auf anderen Blogs lese, als ich selbst schreibe. Bei reichlich Leuten ist dies wohl eher umgekehrt?
Heute möchte ich also primär einen Blog vorstellen, bei dem ich in weiten Teilen von einer gewissen, inhaltlichen Seelenverwandtschaft zu dessen Autor sprechen kann. Vieles was ich dort lese könnte aus meiner eigenen Feder stammen, wenngleich Lutz einen völlig anderen Schreibstil als ich hat. Es gibt jedoch viele gleichlautende Werturteile, Stellungnahmen und gedankliche Analysen, wobei natürlich nur ich selbst feststellen kann, wie sehr manche der dortigen Inhalte auch meinen Nerv sehr genau treffen:
Wann immer ich die Inhalte des Deutschflüsterer über meinen Feedreader beobachte stelle ich fest, dass neben den üblichen Kurzaufgriffen aktueller News rund um das Thema Lifestyle, auch immer etwas Unverkennbares, tief zwischen den dortigen Zeilen zu finden ist. Lutz selbst beschreibt sich in einem eigenen Statement …so. Ich denke, dies ist kein bisschen übertrieben. ;-)
Nun wissen wir also wem genau wir einen Teil des Internet und sonstigem Ungemach direkt anlasten dürfen! Der Deutschflüsterer ist damit der designierte Prügelknabe für ALLES, er muss es halt aushalten können!
Der Deutschflüsterer allein macht das Internet, auch aus meiner eigenen, bescheidenen Sicht sicher nicht aus, zwei weitere Blogs möchte ich heute dazu nennen, einer wird schon seit Längerem, ein anderer seit Kurzem relativ regelmässig von mir gelesen:
Da hätten wir z.B.:
Prinz Rupi. Frieling selbst beschreibt seinen Blog so: „Kultblog des Autors und Verlegers Wilhelm Ruprecht Frieling für jeden, der gern liest. Heimathafen des »Blogsdorfer Anzeiger« internationale Lounge für Narren und Weise.“ Mir gefällt nicht nur die unverkennbare Schreibweise des Autors, sondern auch die teilweise etwas ungewöhnliche Themenauswahl auf die sich die dortigen Artikel beziehen. Zudem ist „Prinz Rupi“ wohl der derzeitige Kommentarkönig der Blogszene, auf kaum einem anderen Blog wird so viel kommentiert wie dort, meine ich jedenfalls immer wieder so gesehen zu haben. Aber macht euch doch lieber ein eigenes Bild.
In diesen Tagen steht dort ganz oben:
„Egal, in welchem Winkel der Welt sich ein Geburtstagskind versteckt: das Web 2.0 spürt ihn auf. Schlag Mitternacht stellte sich ein vielstimmiger Gratulationschor auf und ließ aus vollen Rohren Konfetti regnen. Es begann bei Twitter, dem derzeit schnellsten Nachrichtendienst.“
Daher auch von hier aus die besten Wünsche zum 57.
Neben dieser „Altherren- Riege“ gibt es natürlich vornehmlich Blogs deren Autoren mit Mehrheit wohl so um die 30 Lenze zählen. So unterschiedlich wie das Alter der Schreiberlinge, scheint auch oft die Sichtsweise auf die sie umgebenden Dinge und Themen zu sein. Aber auch dies hat seine Vorteile, manchmal ist mir auch nicht danach zu jedem Pups eine tiefere Betrachtungsweise anstellen zu wollen.
Ein gutes Beispiel für die jüngeren Blog- Kollegen ist der Gentle Rocker on Tour. Ich habe diesen Blog erst vor Kurzem dadurch entdeckt, dass der „Taugenichts“ (wie er sich selbst nennt) hier bei mir einen Artikel kommentiert hatte. Die dort vorgestellt Sichtweise eines Taugenichts gefällt mir aus mehreren Gründen, die ich hier gar nicht weiter präzisieren möchte, denn dieser Artikel hier erreicht, schon ob seiner Länge, wieder einmal die bei mir (zu oft) sichtbare Schmerzgrenze eines Lesers. Aber Kurz kann ja jeder. So findet der Leser bitte selbst raus, warum ich diesen Taugenichts- Blog empfohlen habe, obwohl er sich deutlich von den anderen hier vorgestellten abhebt, oder auch gerade darum?
Es gibt noch drei bis vier Blogs, die es meiner Meinung nach um Längen besser drauf haben als das „Fligende Holzmännchen“, (die kriegen von mir keinen Link für ihren kommerziellen Scheissdreck, der es immer war) vor und nach dem Verschachern dieses fast durch und durch hohlen Ausdruck einer laut mitten im Web geplatzten Web2.0 Seifen- Blase.
Diese Blogs, die sich ebenfalls vom üblichen Mainstream etwas abheben, einmal etwas genauer vorzustellen, hebe ich mir daher für später auf.









Hallo Felix,
Verbeugung, rückwärts gehend den Hut schwenkt…
lG
Lutz
Von: Deutschflüsterer am 4. Juni 2009
um 7:29
wenn auch leicht verspätet, möchte ich mich zutiefst geehrt zeigen; zumal in einem Atemzuge genannt mit zwei weiteren Bloggern, die ich selber gerne lese und immer wieder bestaune;)
Von: gentle.rocker am 14. Juni 2009
um 12:21
Der Kommentarkönig aus der Altherren-Riege verneigt sich dankend – wenn auch mit Verspätung, denn mein iRollstuhl hatte Ladehemmungen …
Von: prinzrupi am 24. Juni 2009
um 8:54