Verfasst von: impuls2008 | 24. Juli 2008

IGUSVN, eine Initiative zu Fairness und sicherem Umgang mit personenbezogenen Daten

 

Heute wende ich mich weniger an die Leser dieses Blog, (schliesslich mache ich ja eigentlich Sommerpause) sondern aus aktuellem Anlaß an alle Blogbetreiber. Das Problem der Umgangsformen in Blogs existiert seit Menschen virtuell miteinander diskutieren.

Zur Netiquette gehört aber auch immer mehr ein umsichtiger und gepflegter Umgang mit personenbezogenen Daten, gerade von Personen die in irgend einer Weise in einem Blog in nicht immer erfreulichen Zusammenhängen erwähnt werden. Aber auch Nutzerdaten von Usern, die etwas kommentierten oder einen anderen, wie auch immer gestalteten Service in Anspruch nahmen, müssen immer das Recht haben können diese Veröffentlichungen oder Statements rückgängig machen zu können. Meine Gründe warum ich dem kostenlosen Service für private oder nichtkommerzielle Mitgliederseiten der IGUSVN beigetreten bin, findet Ihr nachfolgend… 

Wir haben alle schon unsere persönliche Meinung geändert, sei es aufgrund von Fakten die uns erst später bekannt wurden oder auch anderen, wie auch immer gearteten Gründen. Manchmal “menschelt” es auch etwas im Internet um uns herum …und vorschnell, schriftlich und sonst auf Jahre verewigte (z.B. Kommentarinhalte) geäusserte “Reaktion” muten bereits einen Tag (und eine Mütze voll entspanntem Schlaf) später eigentlich eher ungewollt heftig an.

Emotionen sind völlig O.K., aber man sollte im Netz nicht vergessen, dass viele Hintergründe die letztlich zu solchen Situationen führten, nicht wirklich transparent und nachvollziehbar werden. Es bleibt aber oftmals über Jahre nachlesbar, was daraus resultiered, letztlich geschrieben wurde.

Ich kenne kaum jemanden, der nicht schon ordentliche Fehler gemacht hätte, sei es in Beziehungen, in der Familie, gegenüber Freunden oder im beruflichen Umfeld. Nur frage ich mich oft, was so etwas eigentlich im Internet zu suchen hat?

Personenbezogen Persönliches gehört dort einfach nicht hin, auch keine noch so gute und silbenreiche Erklärung, warum Irgendjemand in der Klapse nach Meinung von Irgendwem wohl am besten aufgehoben sei. Ich denke, dass solche Leute auf dem “Ball der einsamen Herzen”  oder ersatzweise in der Behandlung einer versierten Domina wohl besser untergebracht wären. ;-)

Positive Aufmerksamkeit für eigene Bedürfnisse ist auf einem solchen Wegen ohnehin nicht erreichbar.

Genauso wie Blogger (alle andere Medienbetreiber sowieso) gern das Recht der freien, möglichst uneingeschränkten Meinungsäusserung und Pressefreiheit  realisiert sehen möchten, muss dies in demokratischem Sinne auch im umgekehrten Falle gelten können.

Ich denke es gibt auch ein Recht auf Meinungsänderung oder Rücknahme, dies schon aus Gründen der Fairness.  

Wie sieht jedoch oft die Realität im Netz aus?

Einmal geschrieben… glaubt man unter allen Umständen (unbedingt) dazu stehen zu müssen?…auch wenn es möglicherweise eine Beeinträchtigung der Persönlichkeitsrechte Dritter mit sich bringen könnte?

Funktioniert die freiwillige Kontrolle von Blog- oder Forenbetreibern immer?

Hat es wirklich etwas mit “Gesichtsverlust” oder einem biegsamen Rücken zu tun, dem ausdrücklichen Wunsch einer wie auch immer betroffenen Person nachzukommen?

Maillinglisten-,  Foren- aber auch Blogbetreiber treten gelegentlich als Richter, Staatsanwalt und “Rächer der Entnervten” in einer Person auf und stellen dabei nicht selten die eigenen Prinzipien über die Bedürfnisse eines einzelnen Mitgliedes. Dies natürlich immer im angeblichen Ansinnen der gesamten Community. Wie deutlich ein oftmals fast gar nicht wirklich gerecht, weil immer an den Intensionen der Mehrheit orientiertes Handeln  neben den Interessen einzelner Personen liegen kann, weiß jeder der sich schon einmal selbst etwas intensiver in einer Community bewegt hat.

Dies sind jedoch nur einige Hintergründe die letztlich auch bei Carsten Hoppe  dazu führten dass er vor wenigen Tagen die Initiative der IGUSVN ins Leben gerufen hat.

Carsten ist täglich schon berufsbedingt mit dieser Thematik beschäftigt. Sein Unternehmen befasst sich schon seit Jahren mit der Löschung von personenbezogenen Daten, die oft eine erhebliche Beeinträchtigung der Persönlichkeitsrechte, direkt davon Betroffener mit sich bringen kann.

Welcher Gedanke liegt also näher, möglichst ohne anwaltliche Unterstützung und ohne Inanspruchnahme von Gerichten Konflikte zu lösen? …und ersatztweise eine globale Initiative durch eigene Beteiligung zu unterstützen, die sich schlichtweg einen fairen Umgang mit personenbezogenen Daten und den Schutz der Persönlichkeitsrechte von Internet- Usern, selbst auf die Fahne schreibt, UND deren Grundsätze im eigenen Umfeld strikt anwendet!

Grundsätzlich sollten alle Personen die das Medium Internet täglich nutzen daran interessiert sein einen möglichst fairen, an den allg. Interessen der User ausgerichteten Umgang miteinander zu pflegen.

Datenschutz (hier besonders direkt personenbezogene Daten) geht uns alle an!

Tim O`Reilly , Softwareentwickler, Computerbuchverleger und Internet- Vordenker der ersten Stunde,  hat im Sommer 2007 ein Statement abgegeben, dass auf Basis diverser Umfragen, Debatten und Diskussionen den:

Blogger´s Code of Conduct

zusammenfasst.

Hier die sinngemässe Übersetzung der Hauptpunkte: 

1.) Wir  übernehmen die Verantwortung für unsere Worte und für die Kommentare, die wir in unseren Blogs zulassen. Wir werden inakzeptable Inhalte nicht veröffentlichen und Kommentare löschen, die Derartiges enthalten.

2.) Wir sagen nichts online, was wir nicht auch im direkten Kontakt zu jemandem sagen würden.

3.) Wir nehmen privaten Kontakt auf, bevor wir öffentlich antworten. Wenn es zu Konflikten und Falschdarstellungen in der Blogspähre kommt, unternehmen wir alles, um privat und direkt mit der/den betroffenen Person/en zu sprechen oder einen Vermittler zu finden, der dies übernehmen kann, bevor wir Beiträge oder Kommentare zur Sache veröffentlichen.

4.) Wenn wir den Eindruck haben, jemand wurde von jemand anderem unfair angegriffen, greifen wir ein! Wenn jemand beleidigende Beiträge oder Kommentare veröffentlicht hat, sagen wir ihm das (wann immer möglich privat) und bitten ihn um eine öffentliche Entschuldigung. Können diese Kommentare als Bedrohung angesehen werden und der Verfasser zieht diese nicht zurück und entschuldigt sich nicht, werden wir nötigenfalls rechtliche Schritte ergreifen um das Opfer des Angriffs zu schützen.

5.) Wir lassen anonyme Kommentare nicht zu. Wir verlangen von Personen die kommentieren wollen eine gültige Mailadresse, bevor sie kommentieren können, gleichwohl lassen wir es zu, dass sich Kommentatoren mit einem Nickname identifizieren, anstatt mit dem realen Namen, dies zum Schutze der Person.

Wir ignorieren Trolle und ziehen es vor, auf gehässige Kommentare über uns selbst oder unseren Blog nicht zu reagieren, so lange diese nicht in den Bereich von Missbrauch oder Beleidigung reichen. Wir glauben, dass es Trolle nur ermutigt wenn wir diese füttern. Öffentliche Angriffe zu ignorieren ist der beste Weg sie einzudämmen…usw.

—————————-

Wir sehen also, dass diese Problematik überall präsent ist. Tim O´Reilly spricht im Grunde also sehr genau aus und mahnt ausdrücklich davor, was heute oft Gang und Gäbe in vielen Bereichen der aktuellen “Bloglandschaft” IN zu sein scheint.

Bei mir selbst war es auch ein etwas weiterer Weg - hin zum Blogger mit pazifistischer Grundhaltung.

Ich habe auch schon kräftig- deftig ausgeteilt und dabei das sprichwörtliche “Gute Beispiel” vermissen lassen, bilde mir allerdings ein, eigentlich immer nur entsprechend begründet so reagiert zu haben.

Wer auch immer O´Reillys Grundsätze, die mit dem oberen Ausschnitten keinesfalls komplett wieder gegeben sind, in Bezug zu seinen eigenen Blog- und Internet- Gewohnheiten /Verhalten setzt, wird sicher auch bei sich selbst Defizite dazu feststellen müssen. 

Da ich sowohl von der Blogger´s Code of Conduct und der sich daran anlehnenden Initiative der IGUSVN überzeugt bin, möchte ich dazu aufrufen sich beides immer wieder einmal ins Gedächtnis zu rufen. Dazu ist die Teilnahme mit Einbindung des IGUSVN- Siegels sicher ein guter und richtiger Weg, gelegentlich daran erinnert zu werden und auch andere darauf aufmerksam machen zu wollen.

Ich habe mich kurz vor Verfassen dieses Artikels dort angemeldet und führe derzeit die dortige Mitgliederliste an.

Ich hoffe sehr, dass die Initiative von Carsten im Sinne eines auf Fairness und gegenseitiger Rücksichtnahme aufbauenden Umganges im Netz, künftig möglichst viel Beachtung - und noch mehr deren Grundsätze, eine entsprechend breit angewandte Umsetzung und Berücksichtigung im Netz finden.

Blogger können einiges bewirken, denn sie sind die modernen Multiplikatoren in unserer Gesellschaft, zumindest in der Altersgruppe der unter 40jährigen – oftmals sehr viel schneller als die traditionellen Medien. Warum sollte es nicht möglich sein eine Tendenz, hin zu gefestigten Werten (zurück) zu installieren?


Antworten

  1. Guter Artikel. Richtig gut!

  2. [...] Aktualisierung vom 28.07.2008: Einen sehr interessanten Artikel zum Thema findet man bei Impuls [...]

  3. [...] mir dazu einen Link einzubinden der meine Sichtweise und persönliche Einstellung und den “Blogger´s Code of Conduct“ (im unteren Teil) etwas genauer [...]

  4. [...] sollte sich meiner Meinung nach viel mehr dessen bewusst bleiben, dass das Internet auch ein Mosaik aller Teilnehmer ist. So blogge ich zu meinem Privatvergnügen, über die Inhalte kann man gern [...]


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