Hallo, hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass ich seit über 27 Jahren recht erfolgreich Schach spiele? Vor etwa 25 Jahren besuchte ich einen 5tägigen, weiterführenden IG- Metall Lehrgang für Betriebsratmitglieder in Schmidt, Eifel, “Funktionäre 2″ oder 3 nannte sich dies damals. Damals war ich als Beschäftigter eines mittelständischen Kölner Unternehmens der jüngste Btriebsratvorsitzende der Verwaltungsstelle Köln, Hans- Böckler Platz.
Wie dies bei Lehrgängen so ist, sind die Abende recht lang, irgend wann wird auch die Sauna oder das Schwimmbad des Hotels langweilig und die Teilnehmer treffen sich ungezwungen in der Bar. Mit einem tragbaren Computer konnte man in 1984 die Zeit jedenfalls noch nicht erschlagen, auch wenn sich Georg Orwell dies einige Jahrzehnte früher noch ganz anders vorstellte. Dieses Buch war in diesem Jahr natürlich DER Klassiker schlechthin.
In eben dieser Hotelbar trank man etwas und diskutierte über die Themen des Tages, ein paar nette Damen waren auch als Lehrgangsteilnehmer dort.
Etwas abseits an einem Tisch hockten zwei Teilnehmer und spielten Schach, dies beobachtete ich eine Weile aus den Augenwinkeln. Es dauerte nicht lange, da gesellten sich eine Reihe von Zuschauern dazu, denn es wurde auf einem recht hohen Niveau gespielt, mehrere Spiele wurden so von mir verfolgt.
Irgndwann stand auch ich direkt daneben, es interessierte mich.
Meine Schachkentnisse und pers. Spielstärke beschränkte sich damals auf meinen damaligen Lehrer und ein paar Freunde, sowie einen Arbeitskollegen mit dem ich gelegentlich, im Winter sogar fast regelmässig die Mittagspause durchspielte. Gelernt hatte ich Schach erst mit Anfang 20 von meinem damaligen Schwager, der zu dieser Zeit bereits über 20 Jahre spielte. Auch mein anderer Schwager (alles Familie meiner damaligen Frau) spielte damals regelmässig auf Familienfeiern oder -Treffen mit. Ich brauchte damals ca. 1 1/2 Jahre um meinen damaligen “Lehrer” das erste Mal zu schlagen, mein anderer Schwager war zu dieser Zeit schon regelmässig ins Hintertreffen geraten, obwohl auch dieser schon wesentlich länger spielte als ich.
Freunde wollten damals schon einige Zeit nicht mehr mit mir spielen. Mit Schach ist es so wie mit vielen anderen Spielen, diese machen sehr breit nur Spass, solange man diese gewinnen kann. Dies ist genau die Krucks an der Sache. Gewinnen macht einsam.
Für mich war Schach schon immer viel mehr.
Angespornt durch meinen damaligen gut 10 Jahre älteren Lehrer (Schwager) der zu mir schon anfänglich sagte: “Es wird sicher einige Jahre dauern bis du das erste Mal gewinnen kannst!” …begriff ich Schach schon recht früh als eine sehr zielstrebig zu behandelnde Herausforderung gegen mich selbst, denn der Gegener spielt im Grunde keine Rolle - sondern lediglich die möglichst schnelle und umfassende Analyse seiner Züge.
Nur ein gegnerischer Zug, dessen weitere Absicht und Zielrichtung richtig analysiert wurde, ist tatsächlich wirkungsvoll zu beantworten. Manchmal muss man solche Züge (und die dahinter stehende Absicht) auch zunächst unbedingt unbeantwortet lassen, damit später umso wirkungsvoller dazu selbst Stellung bezogen werden kann, oder noch viel besser, ein eigener Angriff vorbereitet werden kann.
Doch zurück zum damaligen Lehrgang:
Ich sah also zu, wie ein mir bis dahin völlig unbekannter Spieler drei Gegner (aus der Lehrgangsrunde) nacheinander in jeweils drei Spielen ablederte, undzwar nach Strich und Pfaden, sozusagen.
Dies spornte mich gedanklich intensiv an. Von diesem Augenblick an beobachtet ich das nachfolgende Spiel sehr genau und versuchte mich dabei in die Position des Gegners hineinzudenken. Dies ging für mich selbst etwas überraschend, recht gut. So beobachtet ich dabei ein Spiel von dem ich glaubte es hätte gewinnen zu können. Auch das nachfolgende Spiel hatte meine ungeteilte Aufmerksamkeit.
Wieder gewann dieses der gleiche Spieler, sein nunmehr vierter Gegner resignierte und brach viel zu früh ab. Danach fanden sich an diesem Abend keine Gegner mehr.
Wäre ich einem inneren Impuls gefolgt, hätte ich mich sofort als nächster Gegener angeboten, tat es aber an diesem Abend nicht. Dies war auch gut so, denn nur kurz darauf äusserte der von mir so erfolgreich beobachtet Spieler, dass sich die anderen nicht wundern müssten, er sei schliesslich der Schach- Stadtmeister von Kerpen…
Dies beschäfftigte mich, undzwar geschlagene 2 Tage lang in denen ich immer wieder gedanklich die Züge des vermeidlich so guten Spielers durchspielte und immer wieder Lösungen zu sehen glaubte, die seine vier Gegener an dem bewussten Abend wohl nicht gesehen hatten. Ich bin ein sehr selbstkritischer Mensch und überlege zumeisst vorher sehr genau die tasächlichen Erfolgsaussichten einer eigenen Handlung…oder lasse es lieber, wenn mir diese aussichtslos erscheinen. In Lehrgängen auf Managerebene bekommt man genau solch eine strikt zielgerichtete Denkweise vermittelt, im Schach ist es eine sehr wichtige Grundvoraussetzung um ein Spiel auch tatsächlich erfolgreich abschliessen zu können.
So würde ich auch nie mit etwas drohen, was ich später nicht wirklich bei vorab guter Erfolgsaussicht auch tasächlich umsetzen kann.
Damals war ich ein reiner Defensivspieler und bin es zumeisst noch heute. Ich gehe immer erst dann in die Offensive, wenn der Gegner eine Blösse zeigt. Diese Strategie hat sich über alle Jahre hinweg als für mich wirkungsvollste gezeigt. So habe ich nicht nur Gelegegenheit am jeweiligen Gegenüber mitzuwachsen, sondern auch den richtigen Moment abzuwarten um dieses erst dann zu schlagen.
Im Richtigen Leben mache ich es eigentlich wo immer sich diese Möglichkeit bietet, ganz genauso, privat und auch beruflich, in Streitsituationen sowieso. Dies sind für meine jeweiligen Gegenüber sehr unangenehme Positionen, dies ist mir durchaus bewusst.
Manchmal ist es besser etwas zu warten und dabei sehr vorausschauend zu planen:
So fragte ich den bewussten Schachspieler erst am letzten Abend vor der Abreise, ob er nicht Lust hätte es einmal gegen mich zu versuchen, dies in einer Runde innerhalb derer er sich die letzten Abende vorher öfter auf seine sehr erfolgreichen Spiele der Vorabende bezogen hatte.
Ich tat dies aus drei Gründen:
1. Ich wollte wissen wo ich selbst mit meiner eigenen Spielstärke tatsächlich war und ob ich meine vorangegangenen Überlegungen auch tatsächlich umsetzen kann. Ob die Möglichkeiten die ich gesehen hatte auch tatsächlich in der Praxis umsetzbar waren und ob eben dieser Stadtmeister des Schach auch darauf eine Antwort hätte.
2. Mir gefiel die etwas selbstgefällige und hochnäsige Art des Spielers nicht, besonders wegen der teilweise etwas abfällig ausgefallenen Kommentare über die Spielweise seiner bisherigen Gegner.
3. Ich wollte gewinnen und für diesen letzten Abend den Stellenwert einnehmen, den der erfolgreiche Spieler nun schon seit fast einer Woche innehatte.
Zu verlieren hatte ich nichts, ich war Anfänger und konnte so oder so nur gewinnen, ungünstigstenfalls an Erfahrung.
So sassen wir kurz danach vor dem Brett und ich verlor das erste Spiel deutlich!!
Noch während ich das Brett neu aufbaute überlegte ich sehr genau, warum ich das erste Spiel in den Sand gesetzt hatte? Ob ich nicht zu siegessicher gewesen war, ob ich den Mann schlichtweg unterschätzt und mich selbst völlig überschätzt hatte… und bemerkte dabei, dass ich von meinem wichtigsten Grundsatz und Strategie abgewichen war.
Defensive:
Ich war beseelt von meiner Absicht gewesen diesen Mann unbedingt schnell schlagen zu wollen in die Offensive gegangen, eine Vorgehensweise, die mir einfach nicht liegt. Dazu fehlt es mir schlichtweg an den dazu nötigen Absichten und der entsprechenden Übung im Angriff. Ich hatte also tatsächlich meine eigene, bisher schon recht oft erfolgreiche Taktik verlassen.
Das zweite Spiel gewann ich, eine Drittes und sogar das Viertes, worum mein total kosterniert und ungläubig dreinblickende Gegenspieler ausdrücklich gebeten hatte. Es war über zwei Stunden sehr still geworden um uns, ich redete dabei keen Wort, mein Gegenüber analysierte immer wieder laut meine Spielzüge für die Umstehenden und bot mir so reichlich Einblicke in seine Gedankenwelt und sich dabei abzeichnende Strategie.
Nachdem der Spieler sich gefasst hatte fragte mich dieser anschliessend für welchen Club in Köln ich denn spielen würde? Er war nicht sonderlich begeistert zu hören, dass ich erst seit rund zwei Jahren spielte und keinem Schach- Club angehören würde.
Ich schreibe diesen Artikel hier nicht für Schachspieler, diese kennen die oberen Überlegungen und Motivationen sehr genau. Nicht einmal um des Schachspielen selbst, sondern aus ganz anderen Gründen.
Ich spiele seit fast zwei Jahren mit einer Gruppe von Personen “Schach”, ohne dass diesen dies bewusst ist. Meine oben etwas näher beschriebene Strategie konnte ich im richtigen Leben nicht immer einhalten, weil es kein wirklich selbstbestimmtes Spiel war. Wann immer ich einen eigentlich richtigen Zug machte, kam ein “Oberschiedsrichter” und änderte kurzerhand die Regeln oder war blind für Züge, die man eigentlich hätte gelten lassen müssen. Daher habe ich vor genau zwei Tagen eine grosse Rochade gemacht, wenn auch nur in übertragenem Sinne.
Verstehen oder gar begreifen sollen meine realen “Gegenspieler” dies natürlich nicht, sonst würde ich hier nichts dazu schreiben. Aber wissen sollen diese dies ruhig, weil der Ausgang des Spieles damit bereits jetzt unabänderbar vorbestimmt ist.
Ein Turm kann auch hinter der Reihe von gegenerischen Figuren schlagen oder Schach bieten, die Dame kommt erst viel später ins Spiel, der eigene König steht nun nicht mehr mitten zwischen den eigenen Türmen.
Wenn dann auch noch die Dame vor dem König des Gegners steht, dann endet dies ohne weitere Möglichkeiten genau so, wie ich es oben angedeutet habe. Von mir aus mag man in diesen Artikel hinein interpretieren was beliebt, ich weiß jetzt schon wie mein “Turnier” endet, sonst hätte ich mich dazu heute nicht geäussert.
Die derzeitige Position meiner angesprochenen “Gegner” ist Schach! …und wird Matt! sein, in nur drei weiteren Zügen. Der erste davon wurde heute Morgen gemacht.
Man kann meine oberen Aussagen aber auch gern als albernes Geplapper abtun, mir soll dies recht sein, wir werden sehen was ich nach meinem letzten Zug hier zu berichten haben werde. Mein Spiel ist also erst beendet, wenn mein letzter Zug nicht mehr beantwortet werden kann, ohne das der Gegener erneut in ein Schach gelangen würde.
Genau wie im Brettspiel.
Beste Grüße,
Felix Arnst
Veröffentlicht in Aktuell, Literaturtipp, Zeitgeschehen, heiter bis wolkig | Schlagworte: Schach, Spiel
Dies einfache Spielzeug demonstriert Newton's Prinzip der Impuls- und Energieerhaltung. Dieses Blog befasst sich aber keineswegs mit Physik, sondern mit den Impulsen zwischen den Menschen.






