Zeitvertreib, Zeitgeist, Hobby, Lifestyle, Spaßobjekt:
…oder ist Bloggen noch mehr?
Wo liegt die eigentliche Motivation eines Bloggers täglich nicht selten mehrere Stunden einem privaten (kommerzielle Projekte klammere ich aus) Projekt zu widmen? Die möglichen Antworten darauf könnten sicher so vielseitig ausfallen wie es Interpretationen zum geheimnisvollen Lächeln von Leonados Mona Lisa gibt. Ich persönlich halte dieses “Lächeln” eher für etwas verlegen zusammengekniffene Lippen, ein Lächeln sehe ich bestenfalls um die Augen der altertümlichen Dame. Und besonders unvorteilhaft fand ich schon immer die fehlenden Augenbrauen, was zu dieser Zeit jedoch als Schönheitsmerkmal galt.
Die klassische Homepage wird seit wenigen Jahren immer mehr durch Blogs abgelöst, diese sind technisch flexibeler, und deutlich komfortabler wenn es um das schnelle Publizieren von Inhalten geht.
Woher kommt die Motivation selbst verfasste Inhalte zu jedem xbeliebigen Thema ins Netz zu stellen, nicht selten Inhalte anderer Medien neu aufzugreifen zu kommentieren und abermals ins Netz bzw. unbedingt über den eigenen Blog (manchmal fast unverändert) nochmals zu publizieren? Sind dies immer wirklich nur interessante Netz- Fundstücke auf die man seine eigenen Besucher hinweisen möchte?
Ist es nicht auch so, dass ein Blogger mit seinem Blog als Medium einem mehr oder weniger gesteigerten, persönlichen Mitteilungsbedürfnis folgt?
Die oberen, allgemeinen Fragen müssen sicher sehr themenabhängig betrachtet werden, nicht jeder Blog ist eine willkürliche Ansammlung von DIES & DAS oder bezieht sich lediglich auf die persönlichen Erlebnisse einer Einzelperson, dessen Familie, Kinder oder Haustiere. Genauso wie bei statischen Webseiten haben Blogs nicht selten feste Themen mit denen sich dort primär befasst wird, bei uns war es lange Jahre ausschließlich die Hunderasse Do Khyi / Tibet Mastiff auf die hier Bezug genommen wurde.
Dies war mir irgendwann zu wenig, aber warum war dies so?
Ganz einfach. Die Zielgruppe war sehr klein, ein wirklich allgemeines Interesse an diesen Themen war kaum vorhanden, lediglich Besucher zum allg. Thema “Hund” konnten sich noch ein Stück weit mit den hiesigen, manchmal schlichtweg zu rasseinternen Themen identifizieren.
Manchmal habe ich etwas neidvoll über den Tellerrand geschaut und beobachtet, dass andere Blogs mit Ihren aktuellen Artikeln zu Lifestyle, irgendeinem Promischeiss - ja selbst zu Politik oder sonstwas bei Webnews oder Yigg richtig Besucher einsammeln konnten.
Nüchtern betrachtet, empfindet man dadurch die Arbeit die man sich mit dem eigenen Blog und den dort themenbezogen vorhandenen Artikeln macht, völlig unterbewertet.
Dann beginnt man zu experimentieren, schliesslich will man wissen (und sich selbst beweisen)ob man es nicht auch mal auf die Startseite von Webnews schaffen kann. Mit der seltenen Hunderasse Do Khyi oder Berichten zur politischen Situation im Tibet (bevor der allg. Medienhype einsetzte) war dies natürlich nicht zu machen.
Mit DSDS war es dagegen sehr einfach, wie sich schnell gezeigt hat. Dabei stellte sich mir nicht die Frage, wie sinnvoll solche Artikel tatsächlich sind, sondern vielmehr wie die Leser dort “darauf” ansprechen.
Mir hat dies eines gezeigt:
Die Qualität von Beiträgen ist völlig nebensächlich, wenn es lediglich darum geht den Zahn & Nerv von xbeliebigen (möglichst vielen) Besuchern treffen zu wollen, muss man einfach “DIE” Themen anbieten, die mit Mehrheit dem allgemeinen Interesse entsprechen. Nur ist solch ein kleines Erfolgserlebnis (wie oben aufgezeigt) für einen Blogger lediglich ein sehr flüchtiger (eigentlich gar kein) Erfolg, und freuen kann man sich bei einem solch mehr als seichten Thema eigentlich auch nicht darüber.
Ich habe diesen etwas weiteren Bogen lediglich geschlagen, weil ich verdeutlichen wollte worin die Motivation des Bloggens liegen kann und vielleicht auch bei vielen liegt.
Ich glaube, dass neben dem Bedürfnis über einen beliebigen Zusammenhang möglichst lesenswert zu informieren, auch das persönliche Mitteilungsbedürfnis eine grosse Rolle spielt.
Dies ließe sich auf einige unschöne Anmerkungen reduzieren, kann aber auch durchaus positiv gesehen werden. Ein Mitteilungsbedürfnis muss nicht immer Ausdruck einer persönlichen Meinung sein, es kann im Idealfalle auch Sach- und Fachwissen vermitteln.
Diese Tradition ist sehr alt.
Schon immer veröffentlichte die Wissenschaft Fachinformationen in Zeitschriften und Magazinen, dies reicht mind. zwei Jahrhunderte und mehr zurück, ein weiterer Austausch dazu findet in der Regel auf Fachkongressen statt. Oft werden diese Fachleute später auch zu Podiumsdiskussionen von wirtschaftlichen Verbänden gestützt eingeladen, dies nicht zuletzt auch aufgrund der Qualität ihrer vorangegangenen Veröffentlichungen.
Dies war lange Zeit die gängige Praxis um aktuelle Fachinformationen austauschen zu können, in allen anderen Bereichen wie Kunst, Film, Fernsehen & Unterhaltung, Werbung etc. ist dies im Grunde nicht anders…bis auf das Merkmal das seit einiger Zeit schon, auch das Internet zunehmend eine weitere, unterstützende Rolle dabei spielt.
Nun sind zu all diesen Themen auch Blogger aktiv, mehr oder weniger direkt und ausführlich sachbezogen - oder nur oberflächlich informierend, aufmerksam machend, vorstellend und breiter publizierend.
Der Blog als Sachinformationsquelle:
Vor wenigen Jahren noch bezog man seine allg. Sachinformation aus Portalen wie Wikipedia und anderen, heute gibt es zu fast jedem Themenbereich Blogs die sich durchaus an der Grenze zur Professionalität mit Sach- und Fachthemen auseinandersetzen, zumeisst in direktem Zusammenhang mit Internetthemen aber auch zu vielen anderen Bereichen.
Dazu hier ein Beispiel:
Landwehr Online Reputation Management
Malte Landwehr befasst sich dort sehr ausführlich mit den Themen SEO, SEM und viralem Marketing. Irgendwann durch Zufall dort gelandet, befindet sich sein Blog seither in meinem Newsreader und hin und wieder lese ich dort in die Themen - die zumeisst keinen Spaßfaktor haben, sondern schlichtweg gut recherchierte Sachinformationen sind.
Es muss also nicht immer GZSZ oder DSDS als Thema sein, um ein ordentliches Interesse bei einer bestimmten Zielgruppe zu erzeugen.
Der Blog als Spaßfaktor:
Bloggen soll Spass machen, aber das Lesen darin nach Möglichkeit auch! So ist es nicht zuletzt auch abhängig davon wie eine Materie auf einem Blog behandelt wird, ob dies auch angenommen wird.
Ein guter Maßstab wären Kommentare, wenn dies tatsächlich breit funktionieren würde.
Ich beobachte immer mehr, dass viele Blogs mit ihren Artikeln kommentarlos bleiben, obwohl die Beiträge von zahlreichen Besuchern gelesen werden. Hier ist dies auch oft so. So verkommen Blogs immer mehr zum Konsumobjekt der Besucher. Die eigentlich mit diesem Medium vordergründig angebotenen, interaktiven Möglichkeiten bleiben dabei natürlich völlig auf der Strecke.
Den früher auf Webseiten sehr oft angebotenen Communitys können Blogs bisher noch nicht das Wasser reichen, zumindest ist dies bei der Mehrzahl der Blogs so, dies scheint auch an der stets präsenten Öffentlichkeit zu liegen.
Viele Besucher nutzen das Internet nicht nur als Informationsquelle, sondern auch um dort Zerstreuung und Unterhaltung zu finden.
Nicht ohne Grund besitzen Portale wie YouTube und viele andere einen derart grossen Zulauf. Zudem sind diese sehr hilfreich um visuelle Infos zu transportieren und an anderer Stelle wieder einzubinden.
Hier ein witziges Beispiel womit das “Bloggen unter kommerziellen Gesichtspunkten” ein wenig auf den Arm genommen wird:
Zu einem anderen Haufen Unsinn natürlich auch, aber das Thema um die Spinner und neurotischen Selbstdarsteller des Internet hatte ich ja vor drei Artikeln bereits abgeschlossen, Walter Moers war mir dabei sehr behilflich. Auch dieser Bereich gehört zu unserer Gesellschaft wie jeder andere auch, man muss selbst wissen wieviel Aufmerksamkeit man solchen Themen tatsächlich beimessen möchte.
Warum wird sich jedoch tatsächlich auch weit neben den oben genannten Gründen sehr breit dem Bloggen gewidmet?
Eigentlich wollte ich dem kommerziellen Aspekt des Bloggens keinen sonderlich grossen Stellenwert einräumen, dies Thema ist jedoch beim Bloggen nicht mehr wirklich wegzudenken. Auch mein Vorgängerblog finanziert sich seit vielen Monaten über Werbung, die die Unkosten des Servers etc. tragen konnte.
Mitlerweile gibt es auch spezielle Blogs, die sich ganz dezidiert diesem Thema zuwenden, auch dazu hier ein vorzeigbares Beispiel, denn dort wird nicht nur sehr informell & sachlich mit diesem Thema umgegangen, sondern auch sehr offen, was ich sehr begrüße. Bei Peer Wandiger klappt es sogar im Kommentarbereich, trotz dieses eigentlich etwas zweischneidigen Themas des Blog. Dort wird unumwunden eingeräumt, dass dieser Blog einen kommerziellen Hintergrund hat, es gibt viele Beispiele im Netz wo dies nicht erwähnt wird.
Der Klassiker des bezahlten Bloggens ist neben einer Reihe anderer Trigami, dort können sich Blogger Aufträge von Werbetreibenden abholen und als sogenannte Rezension auf dem eigenen Blog veröffentlichen. Dafür gibt es dann je nach Angebot zwischen 20.- und 100.- Euro für einen Artikel.
Zu Werbung oder dem kommerziellen Bloggen kann man stehen wie man will, dies muss jeder Blogger für sich selbst entscheiden.
Gebloggt wird meiner Ansicht nach zu 90% aus ganz persönlichen Gründen:
Nun komme ich zu dem Bereich, der dem Kern des Themas wohl am nächsten ist, zugleich ist es der Schwierigste, da ich ja im Grunde nur von mir selbst ausgehen kann und dabei auf meine eigenen Beobachtungen, Bewertungen und Eindrücke angewiesen bin.
Vor einigen Tagen ist das folgende Video zum Thema Web2,0 erschienen, inhaltlich wird auch dort einige zum Thema Bloggen geäussert, was ich später noch etwas ausführlicher aufgreifen möchte.
Link: sevenload.com
Unter: web2.0 (oben) beschreibe ich meine ersten Eindrücke zu diesem Video.
Die dort vorgestellten Aspekte beschreiben jedoch lediglich sehr allgemein das Thema der persönlichen Motivation von Bloggern. Da ich dies für den wichtigsten Teil halte, komme ich später darauf zurück und werde in der kommenden Woche einen zweiten Teil zu Frage, ob Bloggen wirklich nur ein Hobby ist, veröffentlichen.
Beste Grüße,
F. Arnst
Veröffentlicht in Blogsphäre, Internet, Internet- Kultur, Lifestyle, Zeitgeist | Schlagworte: Blogger, Blogszene, warum bloggen?
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